Weltenfeder

dark

Eine kleine Figur steht mitten auf einem öden Feld. Ihre Glieder bestehen aus Glas, so scheint es. Filigran und zerbrechlich. Wenn man ihr auf der Straße begegnete, man würde fürchten, sie zu streifen mit einer Faser seiner Kleidung und sie würde zerschellen wie ein Mohn, den man versehentlich in kindlichem Übermut berührt hatte. Ihre Augen waren trüb und doch so offen. Ihre zarten Finger umschlungen eine Schachtel. Zerbrechlich wie auch sie, doch schwerer. Sie haderte damit sie festzuhalten, doch etwas verbot ihr, sie abzulegen. Ihre Haare flogen mit dem Wind und ließen sich von nichts zurückhalten. Wie Seidenfäden, die in der Luft ein Gebilde woben, schwirrten sie umher und hefteten sich an ihre fast farblosen Lippen, befeuchtet von dem Versuch sie zu öffnen und ein Wort zum Vorschein kommen zu lassen. Sie verharrte dort auf diesem Feld und blickte in die Ferne.

Die Asche am Boden wirbelte um sie, als wolle sie ihr eine Freude machen und ihr nah sein. Sie verstand ihr Inneres. Sie legte sich auf ihre Kleidung und verfing sich in ihren Haaren. Der Anblick der Ferne vernebelte sich. Schwere Rauchschwaden erhoben sich schleppend in die Höhe.

Mit Getöse schlugen seine belasteten Sohlen auf die Erde. Der Boden vibrierte von seinen Schritten und es gab nichts, was ihn aufhalten könnte. Die aufgewirbelte Asche floh vor seinem Antlitz und sank hinter ihm schweigend wieder zu Boden. Vertrieben und in Ehrfurcht. Auf seiner rauen Haut waren Furchen. Tief geschlagen bis in die dunkelsten Schichten seines Seins. Blindwütig stürmte er voran, ohne sein Ziel zu kennen. Die Luft war elektrisch über ihm. Wie Blitze folgten ihm Gestalten am Himmel. Grausam verzerrte Gesichter zierten ihre Silhouetten. Wie Klingen, noch geschärft und geschliffen, klirrten ihre Finger, als sie die Gestirne einnahmen. Die Asche wagte es nicht in so hohe Schichten aufzusteigen, um ihnen in die Quere zu kommen. Niederkniend waberte sie um die Beine des Giganten. Sein Lauf ließ Erschütterungen durch seinen Körper fließen. Wie Wasser einen Steilhang hinabfließt und die Kanten unter sich spürt, zog die Eruption ihre Spuren durch seine Existenz. Risse brachen auf und Stücke rieben aufeinander, bis eines von ihnen in abertausenden kleinen Teilchen wich und sich zu der Asche gesellte.

Mit Getöse dröhnten sie auf die kleine, gläserne Figur zu. Wie eine riesige Welle fiel des Giganten Faust auf sie nieder, wie ein ausbrechender Vulkan dröhnte die Eruption durch den Boden. Die Blitze stürzten vom Himmel und schlugen auf sie nieder, begleitet von donnerndem Lärm aus den höheren Gefilden. Das Ödland schrie auf sie ein, brüllte sie nieder. In all ihrem Schmerz und der Zertrümmerung ihres Seins, formierte sich ihr filigraner Körper nach jedem Einschlag aufs Neue. Ihre trüben Augen waren rot geworden. Gereizt von Tränen und der Asche, die sie zu trösten versuchte. Ihr Leiden durfte nicht vergehen.

Ein Licht trat zwischen den Wolken auf das Ödland nieder. Die Asche wich in Ehrfurcht. Der Gigant und die Blitze führten ungeachtet der Ereignisse ihre Folter fort. Das Licht aber bahnte sich seinen Weg, wie ein Lebewesen mit dem Wunsch, seiner von Natur aus aufgetragenen Bestimmung zu folgen. Es fühlte das Leid der filigranen Figur und sah ihr Zerbrechen und wieder neu bilden mit an. Die Schläge des Giganten erreichten das Licht nicht. Auch die Blitze hatten keine Wirkung darauf. Die Asche wirbelte, die Tränen flossen, der Gigant prügelte, die Blitze peitschten, die gläserne Hülle bildete sich neu und wieder neu um die kleine Schachtel in ihren Armen.

Das Licht legte seine Finger darauf. Der Gigant verstummte, die Blitze blieben zurück. Selbst die Asche war demütig vor diesem Anblick inmitten der Luft schwebend erstarrt. Das Licht sah der filigranen Figur in ihre traurigen Augen und öffnete seinen Mund. Die kleine Figur formte ihre Lippen zu einem Lächeln und ihre zarten Finger entließen die Schachtel ihrer Obhut. Kniend verblieb die kleine Figur mit ihrem fein wie Glas geformten Körper. Das Licht bahnte sich seinen Weg durch die Gewalten mit der Schachtel in den Händen. Die Stille war allumfassend nur ein leises Pochen ertönte aus der Schachtel in des Lichtes Fingern. Die kleine Figur war nun noch immer gläsern, doch ihre Hülle zerbrach selbst unter den kraftvollsten Schlägen des Giganten und dem tosenden Geklirre der Krallen der Blitze nie wieder.


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Eine kleine Figur steht mitten auf einem öden Feld. Ihre Glieder bestehen aus Glas, so scheint es. Filigran und zerbrechlich. Wenn man ihr auf der Straße begegnete, man würde fürchten, sie zu streifen mit einer Faser seiner Kleidung und sie würde zerschellen wie ein Mohn, den man versehentlich in kindlichem Übermut berührt hatte. Ihre Augen waren trüb und doch so offen. Ihre zarten Finger umschlungen eine Schachtel. Zerbrechlich wie auch sie, doch schwerer. Sie haderte damit sie festzuhalten, doch etwas verbot ihr, sie abzulegen. Ihre Haare flogen mit dem Wind und ließen sich von nichts zurückhalten. Wie Seidenfäden, die in der Luft ein Gebilde woben, schwirrten sie umher und hefteten sich an ihre fast farblosen Lippen, befeuchtet von dem Versuch sie zu öffnen und ein Wort zum Vorschein kommen zu lassen. Sie verharrte dort auf diesem Feld und blickte in die Ferne.

Die Asche am Boden wirbelte um sie, als wolle sie ihr eine Freude machen und ihr nah sein. Sie verstand ihr Inneres. Sie legte sich auf ihre Kleidung und verfing sich in ihren Haaren. Der Anblick der Ferne vernebelte sich. Schwere Rauchschwaden erhoben sich schleppend in die Höhe.

Mit Getöse schlugen seine belasteten Sohlen auf die Erde. Der Boden vibrierte von seinen Schritten und es gab nichts, was ihn aufhalten könnte. Die aufgewirbelte Asche floh vor seinem Antlitz und sank hinter ihm schweigend wieder zu Boden. Vertrieben und in Ehrfurcht. Auf seiner rauen Haut waren Furchen. Tief geschlagen bis in die dunkelsten Schichten seines Seins. Blindwütig stürmte er voran, ohne sein Ziel zu kennen. Die Luft war elektrisch über ihm. Wie Blitze folgten ihm Gestalten am Himmel. Grausam verzerrte Gesichter zierten ihre Silhouetten. Wie Klingen, noch geschärft und geschliffen, klirrten ihre Finger, als sie die Gestirne einnahmen. Die Asche wagte es nicht in so hohe Schichten aufzusteigen, um ihnen in die Quere zu kommen. Niederkniend waberte sie um die Beine des Giganten. Sein Lauf ließ Erschütterungen durch seinen Körper fließen. Wie Wasser einen Steilhang hinabfließt und die Kanten unter sich spürt, zog die Eruption ihre Spuren durch seine Existenz. Risse brachen auf und Stücke rieben aufeinander, bis eines von ihnen in abertausenden kleinen Teilchen wich und sich zu der Asche gesellte.

Mit Getöse dröhnten sie auf die kleine, gläserne Figur zu. Wie eine riesige Welle fiel des Giganten Faust auf sie nieder, wie ein ausbrechender Vulkan dröhnte die Eruption durch den Boden. Die Blitze stürzten vom Himmel und schlugen auf sie nieder, begleitet von donnerndem Lärm aus den höheren Gefilden. Das Ödland schrie auf sie ein, brüllte sie nieder. In all ihrem Schmerz und der Zertrümmerung ihres Seins, formierte sich ihr filigraner Körper nach jedem Einschlag aufs Neue. Ihre trüben Augen waren rot geworden. Gereizt von Tränen und der Asche, die sie zu trösten versuchte. Ihr Leiden durfte nicht vergehen.

Ein Licht trat zwischen den Wolken auf das Ödland nieder. Die Asche wich in Ehrfurcht. Der Gigant und die Blitze führten ungeachtet der Ereignisse ihre Folter fort. Das Licht aber bahnte sich seinen Weg, wie ein Lebewesen mit dem Wunsch, seiner von Natur aus aufgetragenen Bestimmung zu folgen. Es fühlte das Leid der filigranen Figur und sah ihr Zerbrechen und wieder neu bilden mit an. Die Schläge des Giganten erreichten das Licht nicht. Auch die Blitze hatten keine Wirkung darauf. Die Asche wirbelte, die Tränen flossen, der Gigant prügelte, die Blitze peitschten, die gläserne Hülle bildete sich neu und wieder neu um die kleine Schachtel in ihren Armen.

Das Licht legte seine Finger darauf. Der Gigant verstummte, die Blitze blieben zurück. Selbst die Asche war demütig vor diesem Anblick inmitten der Luft schwebend erstarrt. Das Licht sah der filigranen Figur in ihre traurigen Augen und öffnete seinen Mund. Die kleine Figur formte ihre Lippen zu einem Lächeln und ihre zarten Finger entließen die Schachtel ihrer Obhut. Kniend verblieb die kleine Figur mit ihrem fein wie Glas geformten Körper. Das Licht bahnte sich seinen Weg durch die Gewalten mit der Schachtel in den Händen. Die Stille war allumfassend nur ein leises Pochen ertönte aus der Schachtel in des Lichtes Fingern. Die kleine Figur war nun noch immer gläsern, doch ihre Hülle zerbrach selbst unter den kraftvollsten Schlägen des Giganten und dem tosenden Geklirre der Krallen der Blitze nie wieder.


 
 
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